Patientenkolloquium 2019
Das Universitätsklinikum Bonn möchte Sie auch 2019 wieder für das Patientenkolloquium "Uni-Medizin für Sie: Mitten im Leben" herzlich einladen ... weiterlesen

Spezifische Manifestationen des kutanen LE:



Chronisch diskoider Lupus erythematodes (CDLE)
Der CDLE ist die häufigste kutane LE-Form (etwa 75% aller Fälle). Er ist durch scharf begrenzte, erythematokeratotische Plaques gekennzeichnet, die bevorzugt im Gesicht und am Capillitium lokalisiert sind und einen chronischen Verlauf zeigen. Charakteristisch ist die Trias: Erythem, Keratose und Atrophie. Die Läsionen heilen narbig ab, am Capillitium häufig mit der Folge einer nicht reversiblen Alopezie.
Es gibt keine Bevorzugung bestimmter ethnischer Gruppen. Eine genetische Prädisposition wird jedoch angenommen. Assoziationen sind mit HLA-B7, -B8, - Cw7, -DR2, -DR3 und -DQw1 in wechselnder Kombination beschrieben. Der CDLE tritt doppelt so häufig bei Frauen wie bei Männern auf. Die Erstmanifestation erfolgt bevorzugt im mittleren Erwachsenenalter (4,7).
antinukleäre Antikörper (ANA) sind in 20-30% der Fälle nachweisbar. Es handelt sich hierbei bevorzugt um ANA im niedrigen Titerbereich. Über die Spezifität dieser Autoantikörper ist wenig bekannt. Antikörper gegen SSA/Ro und U1-RNP findet man selten. Hochtitrige ANA sowie Autoantikörper gegen dsDNA, SSB/La oder Sm gehören nicht zum typischen Spektrum und weisen auf eine beginnende oder gleichzeitig bestehende Organbeteiligung hin.
Zur Ätiologie des CDLE ist noch ungeklärt. Klassischer Weise wird angenommen, dass die Läsionen des CDLE durch autoantikörperabhängige T-zelluläre zytotoxische Mechanismen bedingt werden (18). Weiterhin wird in jüngerer Zeit eine Relevanz Interferon Typ-I-produzierender plasmazytoider dendritischer Zellen diskutiert (2).

Lupus erythematodes tumidus (LET)
Der LE tumidus macht etwa 10% der kutanen LE-Manifestationen aus. Er ist durch eine typische klinische Morphe mit elevierten, scharf begrenzten, erythematösen, nicht squamösen Plaques charakterisiert. Prädilektionsstellen sind Gesicht und Rumpf. Histologisch zeigt sich ein oberflächliches und tiefes perivaskuläres Infiltrat ohne epidermale Beteiligung. Die Immunfluoreszenz ist häufig negativ, antinukleäre Antikörper lassen sich in etwa 35% der Fälle nachweisen. Zudem weisen die meisten Patienten (etwa 75%) eine hohe Lichtempfindlichkeit auf. Extrakutane Manifestationen des LET sind selten (8).

Lupus erythematodes profundus (LEP) [Kaposi-Irgang]
Der LE profundus (Synonym: Lupuspannikulitis oder Lupus Kaposi-Irgang) ist eine weitere seltene Verlaufsform des LE, die vor allem bei Frauen im 20. bis 40. Lebensjahr auftritt. Charakteristisch ist das Auftreten von bläulichen, derben, subkutanen, oft schmerzhaften Knoten mit eingesunkener Oberfläche. Prädilektionsstellen sind Wangen, Glutealregion, Oberarme und Brust. Histologisch ist der LEP durch eine lobäre Pannikulitis mit dichtem lymphozytärem Infiltrat und einer Nekrose sowie Hyalinisierung des Fettgewebes mit späterer Fibrose gekennzeichnet. Bei 55,5% der Patienten mit LE profundus sind ANA nachweisbar (9).

Chilblain Lupus erythematodes (ChLE) [Hutchinson]
Die charakteristische Morphe, der der ChLE seinen Namen verdankt, sind blaurote, polsterartige, flache Knoten, teilweise mit einer mit einer festhaftenden Keratose (Chilblain: englisch "Frostbeule"). Prädilektionsstellen sind die Dorsalseiten von Fingern und Zehen, seltener sind auch Nase, Ohren, Ellenbogen, Knie und Fersen befallen. Charakteristisch sind weiterhin Hyperästhesie in den befallenen Regionen sowie eine Akrozyanose. Der Chilblain LE tritt bevorzugt bei jungen Frauen auf. Häufig handelt es sich hierbei um ein Teilsymptom, das sich im Rahmen eines SLE, SCLE oder DLE manifestiert. Bei 50-60% der ChLE-Patienten treten antinukleäre Antikörper auf(15).

Subakut kutaner Lupus erythematodes (SCLE)
Der SCLE wurde 1979 von Sontheimer et al. erstmals als eigenständiges Krankeitsbild beschrieben. Der SCLE ist durch erythematöse, nicht vernarbende, papulosquamöse und/oder anuläre Hautläsionen gekennzeichnet, die hauptsächlich im Bereich der oberen Körperhälfte auftreten. Weiterhin manifestieren sich bei einem Teil der Patienten milde extrakutane Symptome, wobei Gelenkbeschwerden und Nephropathien im Vordergrund stehen. Weniger häufig treten auch Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Myalgien und das Raynaud-Phänomen auf. Bei etwa der Hälfte der Patienten sind mehr als vier Kriterien des „American College of Rheumatism“ positiv, jedoch kommt es nur selten zu einer ZNS-Beteiligung (13).
Der SCLE ist meist deutlich UV-Licht provozierbar (UV-B, UV-B/UV-A, selten auch UV-A allein), serologische Marker sind anti-SSA/Ro- und anti-SSB/La Autoantikörper, die in 30-60% der Fälle nachweisbar sind. ANA sind bei bis zu 90% der Patienten mit SCLE positiv. Die Blut-Senkungs-Geschwindigkeit (BSG), das C-reaktive Protein (CRP) und weitere Entzündungsparameter (Hypergammaglobulinämie, Komplementveränderungen) sind im aktiven Krankheitsstadium fast immer erhöht (13).
Der SCLE macht etwa 10% aller LE-Fälle aus. Er tritt bevorzugt bei der weißen Bevölkerung auf. Immungenetisch kommen gehäuft HLA-B8 sowie -DR2 und -DR3 vor. Bei der anulären Form besteht eine Assoziation von anti-SSA/Ro-Antikörpern und HLA-DR3, bei papulosquamösen Läsionen und späterem Krankheitsbeginn wurde gehäuft HLA-DR2 festgestellt; außerdem ist die Frequenz von C4A-Null-Allelen erhöht. Pathogenetisch spielen wahrscheinlich SSA/Ro- und SSB/La-Antigene eine entscheidende Rolle. Sie werden unter dem Einfluss von UV-Licht auf der Oberfläche von Keratinozyten exprimiert, so dass die entsprechenden Autoantikörper damit reagieren und eine Entzündungsreaktion mit Gewebsschädigung einleiten können (3).

Akuter Lupus erythematodes (ALE)
Der akute kutane Lupus erythematodes tritt meist im Rahmen eines SLE auf. Er ist durch das Auftreten lokaler flächiger Erytheme, im Gesichtsbereich häufig als sogenanntes "Schmetterlingserythem", gekennzeichnet. Seltener sind auch akute generalisierte, makulopapulöse oder bullöse Formen beschrieben, eine Photosensitivität ist meist gegeben. Diagnostisch richtungweisend sind oft zusätzlich aufgetretene Symptome eines SLE wie z.B. Fieber, Arthralgien oder Vaskulitiden. Ein Hinweis auf das akute Stadium kann das Auftreten neutrophiler Granulozyten an der dermoepidermalen Grenzzone sein. Die direkte Immunfluoreszenz aus befallener Haut ist in mehr als 90% positiv und zeigt vor allem feingranuläre, bandförmige C3- und IgG-Ablagerungen an der Basalmembran. Genetische Analysen bei ALE-Patienten, die ähnliche HLA-Typen wie beim SLE erbrachten (HLA-B8, DR2 und DR3), unterstreichen die enge Verwandtschaft dieser Formen (6,14).